An einem ganz normalen Schultag liegt plötzlich etwas in der Luft: Neugier. Auf den Tischen stehen Skizzen, Tape-Rollen, Farbe, Papier. Fragen hängen im Raum – nicht die aus dem Lehrbuch, sondern die, die man sonst selten laut stellt: Wer wird in der Kunst eigentlich gesehen? Wer verschwindet aus Erzählungen, aus Museen, aus Straßenbildern, aus unseren Köpfen?
Genau hier beginnt FRAU MACHT KUNST.
Wir erzählen diese Geschichte nicht als Vortrag, sondern als Begegnung: Eine Schulklasse trifft auf drei Künstlerinnen – drei Handschriften, drei Perspektiven, drei Wege, sich Raum zu nehmen. Über sechs Projektschultage hinweg wird aus „Zuschauen“ ein „Selbermachen“. Die Schüler*innen lernen Künstlerinnen kennen, die nicht nur Werke zeigen, sondern Prozesse öffnen: Wie entsteht eine Idee? Wie wird aus Wut eine Linie? Aus Unsicherheit ein Bild? Aus einer Meinung eine Haltung?
Mit dabei sind Fabifa (Tape Art), Anne Bengard (Ölgemälde & Murals) und Daria Danilova (Siebdruck mit FLINTA-Fokus). Jede von ihnen bringt ihre eigene Praxis mit – und gemeinsam schaffen sie einen Raum, in dem Jugendliche ausprobieren dürfen, ohne sofort „perfekt“ sein zu müssen. Es wird geklebt, gemalt, gedruckt, verworfen, neu angefangen. Und genau darin passiert etwas Entscheidendes: Kunst wird spürbar als Werkzeug. Zum Denken. Zum Fragen. Zum Verändern.
Am Anfang steht ein Blickwechsel. Wir schauen gemeinsam darauf, wie Kunstgeschichte uns geprägt hat – und wie einseitig sie oft erzählt wird. Welche Körper gelten als „würdig“, gezeigt zu werden? Welche Geschichten werden gefeiert – und welche als „zu laut“, „zu politisch“, „zu privat“ abgetan? Und dann drehen wir die Perspektive um: Was passiert, wenn wir den Platz auf der Bühne selbst bauen?
In der Werkstattphase wird es praktisch: Mit Tape Art entstehen sichtbare Zeichen im Raum – Linien, die markieren, wo sonst Grenzen waren. Mit Malerei werden Emotionen und Erfahrungen greifbar – nicht als hübsches Ergebnis, sondern als ehrliche Spur. Mit Siebdruck wird Sprache zu Bild: Statements, Symbole, Muster, die man vervielfältigen kann – so wie Ideen, die weitergetragen werden sollen. Die Jugendlichen arbeiten alleine und im Team, lernen voneinander und merken: Kunst ist nicht nur Talent. Kunst ist Entscheidung. Mut. Haltung.
Und weil Kunst nicht im Klassenraum enden muss, bekommt das Projekt einen zweiten Akt: eine öffentliche Ausstellung. Im Oktober werden die Arbeiten in der Pinkdot Galerie gezeigt – nicht als Schulaufgabe, sondern als künstlerische Positionen, die ernst genommen werden. Die Ausstellung ist wie ein Fenster nach außen: Hier wird sichtbar, was in den Projekttagen gewachsen ist. Hier treffen Familien, Freund*innen, Nachbarschaft und Publikum auf die Fragen der Jugendlichen – und auf ihre Antworten.
FRAU MACHT KUNST wird getragen von Pinkdot gGmbH und gefördert von der Lotto-Stiftung Berlin. Das Projekt stärkt junge Menschen darin, eigene Perspektiven zu entwickeln – und setzt ein Zeichen für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit: Künstlerinnen sind nicht „die Ausnahme“, sondern ein selbstverständlicher Teil unserer Gegenwart.
Am Ende bleibt nicht nur eine Ausstellung. Es bleibt ein Gefühl: Dass eigene Gedanken eine Form bekommen können. Dass Kunst ein Ort ist, an dem man Fragen stellen darf. Und dass Sichtbarkeit nicht nur etwas ist, das man bekommt – sondern etwas, das man gemeinsam herstellen kann.
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