Es beginnt selten mit einer Hantel. Es beginnt eher mit einem Gefühl: dem Wunsch, sich im eigenen Körper zuhause zu fühlen. Nicht beobachtet. Nicht bewertet. Sondern einfach da – in Ruhe, in Bewegung, im Moment.
Doch was, wenn Bewegung zur Bühne wird? Wenn jeder Schritt, jede Muskelspannung eine Entscheidung über Zugehörigkeit ist – zu einem Geschlecht, zu einer Community, zu sich selbst? In einer Welt, die Körper ständig interpretiert, wird Sport schnell mehr als nur Training. Er wird persönlich und politisch. Und manchmal auch schmerzhaft.
Für viele und insbesondere queere Menschen ist das Fitnessstudio ein Ort der Unsicherheit. Nicht nur, weil sie angestarrt oder ausgeschlossen werden. Sondern weil sie sich dort selbst begegnen – mit all den Erwartungen, Zuschreibungen und Zweifeln, die an ihren Körpern haften.
Zwischen Zuschreibung und Wunschbild
Wer darf stark sein? Wer darf weich sein? Wer darf sich verändern – ohne sich zu verlieren?
Die Idee eines Wohlfühlkörpers klingt nach Selbstbestimmung, folgt aber oft unsichtbaren Regeln: Wer eine Transition macht, soll idealerweise schnell „erkennbar“ werden. Wer nicht-binär lebt, wird an Uneindeutigkeit gemessen. Und wer sich nicht sichtbar verändert, wird leicht übersehen oder infrage gestellt.
Der Wunsch nach Veränderung ist verständlich – und zugleich oft durchzogen von Bildern, die nicht immer die eigenen sind. Körper sollen effizient, lesbar, diszipliniert sein. Die Bilder davon beginnen früh – im Schulsport, in der Werbung, im medizinischen System. Auch queere Lebensrealitäten sind davon berührt.
Ein Raum für queere Stärke
In Berlin-Kreuzberg bietet das Queer Power Gym seit Anfang dieses Jahres Krafttraining für queere Menschen an – mit speziellen Angeboten für trans, inter und nicht-binäre Personen. In kleinen Gruppen, mit konkreten Zielen – ohne Leistungsdruck, ohne das Unwohlsein als queere Person in großen Studioketten und mit viel safer space.
Gründer*in Evelyn Bastian begleitet dort queere Menschen, vor allem mit Krafttraining, um sich körperlich und psychisch zu stärken. Mal geht es um die Vorbereitung auf eine geschlechtsangleichende Operation, mal um gezielten Muskelaufbau – und oft einfach darum, wieder Vertrauen zum eigenen Körper zu entwickeln.
Das Gym ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sport queer gedacht werden kann und beispielsweise bei einer Transition unterstützen kann. Aber selbst in Safer Spaces wie dem Gym stellt sich irgendwann die Frage: Wann wird Sport zur Pflicht? Und wo beginnt ein neuer Druck – diesmal queer codiert? Der Körper soll stark sein. Sichtbar. Stolz. Doch was, wenn man sich nicht danach fühlt?
Körper, die etwas erzählen
Nicht nur queere Erfahrungen erzeugen Distanz zum eigenen Körper. Auch nach einer Krankheit, einem Unfall oder mit einer chronischen Erkrankung kann sich das Verhältnis zu Bewegung verändern.
Wer mit einer Behinderung lebt, kennt das Gefühl, dass alltägliche Bewegungen Aufmerksamkeit erregen – oder kommentiert werden. Selbstvertrauen, Mobilität und Kraft sind dann keine Selbstverständlichkeit, sondern täglicher Aushandlungsprozess. Sport kann Verbindung schaffen. Nicht als Rückkehr zum alten Zustand, sondern als behutsames Kennenlernen eines veränderten Körpers.
Zwischen Fitnesskult und Fürsorge
Der Körper ist nie neutral. Er erzählt – wird gelesen und miss/verstanden. Sport kann eine neue Geschichte beginnen. Oder Teil einer werden, die andere für uns schreiben. Vielleicht braucht es nicht die perfekte Technik, sondern Räume, in denen Widersprüche erlaubt sind. Wo man trainieren kann, ohne zu müssen. Wo Ziele da sein dürfen, aber nicht normiert werden. Und wo ein queerer, kranker oder behinderter Körper nicht erst dann willkommen ist, wenn er „passt“. Oder gebraucht wird.
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