„You are not very bright and you are not very pretty, …“ - dieser Spruch von Fiona (gespielt von Jennifer Coolidge) aus dem Teenie-Klassiker A Cinderella Story ist einer der am häufigsten zitierten aus Hilary Duffs Film. Als meine Mutter mir mit 18 Jahren einen ähnlichen Spruch vor meinem damaligen Freund entgegen warf, hatte sie zumindest die Gnade mir zu sagen, dass ich zwar etwas dümmlich sei, aber wenigstens ganz hübsch. Es war als Scherz gemeint und sollte untermalen, warum ich mir eben diesen ersten Freund warmhalten sollte, da er als Lehramtsstudent eine gute Partie sei. Es folgten Jahre der Sexualisierung meines twinkigen Körpers, die mir früh suggerierten, dass mein Aussehen meine primäre Währung ist. Der unvermeidbare Twink Death – das Ende des Twink-Daseins – folgte irgendwann in meinen Zwanzigern. Die Überzeugung, in den Augen anderer “fuckable” erscheinen zu müssen, um interessant zu sein, blieb jedoch.
Wer fit ist, wird begehrt
So richtig bemerkte ich dies, als ich während meiner ersten langen Beziehung an Gewicht zunahm und mein Partner nicht mehr an Sex interessiert schien. Auch meine Außenwirkung entsprach nicht mehr der, die ich gewohnt war. Erst als ich nach der Trennung aufgrund des Stresses abrupt viel an Gewicht verlor, schienen Typen wieder an mir interessiert. Ich war eigentlich immer recht sportlich, hatte aber bis dato nie Sport aus Eitelkeit betrieben. Das alles änderte sich, nachdem ich wegen einer Operation längere Zeit keinen Sport treiben konnte und alle Sportstätten während COVID geschlossen waren. Ich entdeckte Home Workouts für mich und entwickelte eine leicht zwanghafte Sportroutine. Die Resonanz im Dating war extrem positiv. Ich hatte endgültig verstanden: ein fitter Körper bedeutet Interesse, Zuneigung, Bestätigung.
Komplimente als Triggerpunkte
Nun bin ich 37 Jahre alt und fühle mich an bestimmten Tagen gefangener in Body Image Issues denn je zuvor. Vor ein paar Monaten war ich auf einer Geburtstagsparty und traf dort Leute, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte – „Wow, du hast ja ganz schön an Muskeln zugelegt, siehst richtig gut aus!“ Was sich im Moment gut anfühlte, resultierte in mehreren Tagen an Zwangsgedanken, wie ich meinen Muskelzuwachs weiter optimieren könnte. Unzählige Stunden verbrachte ich auf YouTube mit der Hoffnung, Hinweise zu finden, wie ich meinen Trainingsplan weiter optimieren könnte. In solchen Phasen wird jedes Kompliment zu meinem Aussehen zum stillen Imperativ: Bleib so, oder werde besser!
Druck von außen
Vor kurzem war ich im Fitnessstudio und sah einen recht jungen Teenager – geschätzt 15 Jahre alt – der sich im Freihantelbereich abackerte. Nach jedem Satz flexte er vorm Spiegel seine nicht vorhandenen Muskeln und wirkte dabei getrieben, leicht verzweifelt. Es sind nicht nur Mädchen* und Frauen*, die von Schönheitsidealen stark beeinflusst werden. Studien belegen, dass Body Image Issues bei Jungen und Männern zunehmen. Das Support Netzwerk und der Dialog – sei er gesellschaftlich oder im Freund*innenkreis – fokussieren sich jedoch nach wie vor weitestgehend auf Mädchen und Frauen.
Der „perfekte“ schwule Körper
Ein kurzer Blick auf Instagram, YouTube oder Zeitschriften reicht schon, um zu sehen, wie man(n) auszusehen hat, um als attraktiv zu gelten. Für Männer* bedeutet dies ein gestählter Körper. Die Schwulenszene multipliziert diese Bilder: So galt ein muskulöser Körper während und nach der AIDS-Epidemie in den 1980ern als „gesunder“ und "nicht betroffener"-Körper. Tragen wir dieses Trauma als Community weiterhin mit uns oder ist es der Wunsch, durch einen muskulösen Körper „männlich“ zu wirken? Vielleicht ist das die Frage: „Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?” Fest steht, ich kenne kaum einen schwulen* Mann, der nicht mit Body Image Issues zu kämpfen hat. Der Druck der Schnelllebigkeit, Bestätigung via sexuellem Interesse, Apps, die nur darauf ausgelegt sind, das Gegenüber anhand körperlicher Merkmale auszuwählen. Zusätzlich haben viele queere Männer in ihrer Biografie Zurückweisung erlebt. Ein einfaches Allheilmittel hierfür ist es, sich sexuell begehrt zu fühlen und dazuzugehören. Sicherlich sind Körper wichtig, wenn es um sexuelles Interesse geht. Allerdings sollten wir auch reflektieren, woher diese Körperbilder herkommen, zu denen wir uns hingezogen fühlen bzw. denen wir versuchen nachzueifern und was letztlich die Eigenschaften sind, die wir selbst an unserem Gegenüber zu schätzen wissen.
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