Harder ruft, und Weinhaus kommt, und zwar in die Schweiz. Ganz so geschmeidig ging es dann leider nicht, auf Unpünktlichkeit auf Gleisen und Flugfeld in Berlin ist eben Verlass, und so verpasste ich sämtliche Anschlüsse in Zürich, bevor ich erst zu nächtlicher Stunde in Luzern landete. Die Laune war auf der Höhe meiner Augenringe (sehr weit unten) und mein einziger Ausweg das Kaffee Kind am Rande der Altstadt. Viel mehr Anlaufpunkte für junges Gemüse mit dem Wunsch nach Kurzweil, Kippe und etwas Musik in der Ohrmuschel gibt es in Luzern um die Uhrzeit nämlich leider nicht. Abgesehen von Kneipe und Musik half mir natürlich ein Glas Rotwein und ein anregender Plausch mit dem Chef Fabian samt kleiner Einführung in die Idee seines hippen Ladens und einen Espresso Martini für umme hinterher. Ich muss gestehen: Bis vor einigen Jahren hatte ich, wenn ich Schweiz und Party in Verbindungen gebracht hatte, nicht direkt eine pulsierende Tanzfläche, fulminante Drag-Shows und Stimmung bis zum Platzen des BHs vor Augen. Dass dies aber durchaus möglich ist, zeigte mir meine gute Freundin und ebenfalls Teilzeitmädchen, Rachel Harder.
Vor drei Jahren schon hat es die geborene Oberfränkin ins idyllische Luzern verschlagen, und Schlag ist der passende Ausdruck: wie eine Atombombe ist sie eingeschlagen, die Rachel. Erst kürzlich zuvor hatte sie den Weg zur Travestie gefunden, und was als kleines Hobby begann, ist nun fester Teil ihres Lebens, und somit auch Teil der Leben so vieler Hungernder nach Queerkultur in der Zentralschweiz. Was es bis dahin vorrangig nur in Zürich oder Basel zu erleben gab, kloppte die Theaterregisseurin kurzum selbst aus dem Boden und auf die Bühnen des Südpol, DEM linken Veranstaltungsjuwel Luzerns. „Ich wollte schon immer eine eigene Veranstaltungsreihe haben. Mit Bühnenshow, das war mir wichtig. Und mit by Rachel Harder konnte und kann ich mir selbst immer wieder einen Traum erfüllen“, so Harder. Und Bühne kann sie: Tagsüber als Produktionsleiterin und Disponentin am Züricher Theater am Neumarkt tätig, weiß sie, was eine Bühne im Stande zu leisten ist. Und auch dort schlägt bereits seit der Mitte des letzten Jahrhunderts ein starker queerer Puls vor und hinter den Kulissen. Die Gründung des ersten schwulen Vereins Europas vor acht Jahrzehnten (Der Kreis) hat das Theater miterlebt, es ist antirassistisch mit einem sehr diversen Ensemble und Personalstab und so bunt wie kaum eine andere Theaterinstitution. Und eben mit diesem Background schafft es Rachel, ihre Shows vor den regelmäßigen Tanzveranstaltungen auf ein Level zu heben, das ihresgleichen sucht. Ein Sinn für Dramaturgie, Kostüm, viel Zeit fürs Proben, Licht und natürlich die Auswahl der Künstler*innen. „Außerdem habe ich mit Selin Samci eine fantastische Ausstatterin an meiner Seite, die unfassbar geile Ideen hat, was Deko und Raumgefühl betrifft“, verriet mir Rachel. So wird die Show zum Stück, zur Inszenierung.
Neben der Veranstalterin selbst, fegten im Oktober internationale Showgirls beim Queer Horror Ball über die Bühne: Grazia Scarpato, Effi Mer Delamaskis, Klamydia Von Karma, Zhiyelun Qi und viele mehr durften an Mikrofon und ans Kunstblut, auch ich, bevor ich mich über die Plattenteller hermachte. Zwischen Schädeln, abgebrochenen Heels und Spinnenweben wurde bis Sonnenaufgang im Südpol gefeiert. Dementsprechend tief und erschreckend waren sie auch wieder am nächsten Tag, meine Augenringe. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Schweiz für queere Freund*innen der Reise- und Kulturbranche definitiv mehr zu bieten hat, als nur Zürich oder Basel. Klein aber mehr als nur fein, das ist mein Luzern. PINKDOT freut sich über die nächste Bombenzündung aus dem Hause Harder.
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